Geschichte Buchkirchens - Loidol

Ein Streifzug durch die Geschichte der Marktgemeinde Buchkirchen
Norbert Loidol

Von ersten Spuren des Menschen bis zu den Anfängen der christlichen Kolonisation

Die ersten Überreste menschlicher Kultur auf dem Gemeindegebiet von Buchkirchen reichen bis in die Jungsteinzeit zurück.
In der Römerzeit verlief von Wels (Ovilava) ausgehend eine ausgebaute Straße über Schickenhäuser, Niedergrafing und Ruhrling durch das heutige Gemeindegebiet in Richtung Eferding und Aschach (Ioviacum). Einige der zahlreichen Hohlwege in der Gemeinde Buchkirchen sind auf sogenannte Altstraßen, die in vorrömischer Zeit angelegt wurden, zurückzuführen. Ab dem 6. Jahrhundert besiedelten vom Westen her bajuwarische Sippen auch das Gebiet zwischen Donau und Traun. An diese Zeit erinnern noch die alten Ortsnamen mit den Endungen „-ing“ und „-heim“ (-„ham“) wie zum Beispiel die Ortschaften Epping, Grafing, Ötzing, Hörling und Hundsham.
Auf das Mittelalter geht eine alte Befestigungsanlage, ein sogenannter. „Burgstall“, hundert Meter westlich vom Anwesen Hartberg Nr. 8 zurück. Der Hofname „Göldinger" an der eben genannten Adresse erinnert an die adelige Familie derer von Geltingen, die, erstmals 1170 durch einen Ortwin von Geltolfing bezeugt, ihren Stammsitz zu Gelting (heute: Gölding) in der Pfarre Wallern hatten.
Von der Synode in Mistelbach (985/991) bis zum Ende des Mittelalters

Bischof Pilgrim von Passau (971-991), zu dessen Sprengel damals der größte Teil des heutigen Oberösterreich gehörte, hielt nach dem Jahr 985 in Mistelbach eine seiner drei großen Synoden (Kirchenversammlungen) ab. Auf dieser Synode stellte er nach dem Abklingen der ungarischen Bedrohung durch Festlegung der Zehentrechte die kirchliche Steuerordnung wieder her.

Die erste Kirche zu Mistelbach, die der vermutliche Tagungsort der Pilgrimschen Diözesansynode war, stand weithin sichtbar auf der Anhöhe neben dem Weinzierl-Gut. Spekulative Überlegungen bringen die Ursprünge der Kirche in Mistelbach mit der Sommersonnenwende oder mit der von Priestern (Druiden) der Kelten als magische Glückspflanze verehrten Mistel in Verbindung. Mistelbach wurde nach einer Kremsmünsterer Quelle früher „Michelbach“, genannt, wobei „michel“ so viel wie groß bedeuten oder auf den Hl. Michael, dessen Name mit „Wer ist gleich Gott?“ übersetzt wird, verweisen kann. Eine weitgreifende Überlegung wird beide Erklärungen miteinander in Einklang zu bringen versuchen und von der Annahme ausgehen, daß die Kremsmünsterer Mönche im Mittelalter der im Volk noch lebendigen alten „heidnischen“ Vorstellungswelt eine neue christliche Prägung geben wollten. Die Mistelbacher Filialkirche ist heute nicht mehr wie ursprünglich dem Hl. Johannes dem Täufer, sondern der Hl. Margarethe geweiht. Sie ist in ihrer jetztigen Form um 1650 errichtet worden.

Um 1170 wird auch ein Heinrich von Mistelbach erwähnt, aber die bekannten schriftlichen Quellen geben uns keine Nachricht vom Zeitpunkt der Errichtung von Schloß Mistelbach.

In einem Güterverzeichnis des Klosters Mondsee aus dem 12. Jahrhundert ist eine Hube in Hundheim erwähnt, die Gundaker I. de Stiria, Urahn der Starhemberger, als Lehen des Stiftes Mondsee innehatte und die als ursprünglicher Kern des heutigen Schockengütels (Hundsham Nr. 4 oder neuer: Hundshamerstraße 49) angesehen wird.
Vielleicht 1167 wurde eine kleine Kirche mit dem Patrozinium des Heiligen Nikolaus in Perwend errichtet. Nachdem Kaiser Josef II. 1787 das Gotteshaus hatte schließen lassen, wurde es profaniert und schließlich abgetragen. Heute befindet sich beim Mayrgut zu Perwend noch ein rotmarmorner Grabstein für Wolfgang Sigharter in unmittelbarer Nähe zur abgekommenen Kirche.

 Der genaue Zeitpunkt, an dem der Ort „Buchkirchen“ erstmals seinen heutigen Namen erhalten hat, ist uns nicht überliefert. Die Nennung von „Puechchirichen“ in einem vorgeblich von Papst Alexander III für das Kloster Kremsmünster derstellten Diplom von April 1179 meint zwar den Ort, stammt aber in Wahrheit aus einer späteren Zeit. Als Bedeutung des Ortsnamens Buchkirchen wird zumeist „Kirche bei einem Buchenwald“ angegeben. Namen auf „-kirchen“ künden auch anderenorts (z. B. Grieskirchen, Waizenkirchen u. v. a.) vom frühesten mittelalterlichen Kirchenbau.
Um 1450 fielen die Pfarrkirche und der Pfarrhof von Buchkirchen einem Brand zum Opfer. Der Wiederaufbau erfolgte im spätgotischen Stil.

Von der Reformation bis zur Revolution des Jahres 1848

Im 1. Viertel des 16. Jahrhunderts griff die von Martin Luther ausgelöste Reformation auch auf das heutige Oberösterreich über. In der Gegend um die heutige Gemeinde Buchkirchen wurde sie besonders von adeligen Familien (Schaunberg, Starhemberg und Polheim) gefördert. Damals wurde die Kirche zeitweilig durch Weltpriester betreut. Ihren Höhepunkt erreichten die Wirren für Buchkirchen mit der Erstürmung des Pfarrhofes durch bäuerliche Scharen im Jahr 1595. Nach diesem Ereignis kehrte aber bald wieder Ruhe ein. Nach Bränden in den Jahren 1607 und 1643 wurde der Südflügel des Pfarrhofes erbaut. Neben seiner imposanten Fassade sind auch die wegen ihrer künstlerischen Ausstattung im Stil des Barock und Rokoko bedeutenden Innenräume besonders sehenswert. Pfarrer Leopold Remb (1743-1765), der dem Kirchenturm eine Kuppel und die Turmuhr gab, förderte außerdem den Obstbau und brachte ihn zu so großem Ansehen, daß die Gegend bald in den Ruf einer erstklassigen Obstgegend kam. Unter Pfarrer P. Alexander Adde wurde 1798 der Auftrag für drei Altarbilder an den bedeutenden österreichischen Spätbarockmaler Martin Johann Schmidt, genannt der Kremser Schmidt (1718-1801) vergeben. Die Seitenaltäre sind heute noch in der Kirche, das Hochaltarbild wird in der Kunstsammlung des Stiftes Kremsmünster aufbewahrt.
An die Kämpfe mit den Truppen Napoleons im 1. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erinnern Ortsbezeichnungen wie „Franzosenhügel“ sowie „Franzosenlacke“ im Preisholz und im Ruhrlingerwald.
In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts traten die Bewohner von Buchkirchen in das Gesichtsfeld gelehrter schriftstellerischer Betrachtung. Ulrich Hartenschneider schreibt 1835 von den Bewohnern von Buchkirchen: „Sie sind rüstige und wohlgenährte Leute, sind größten Teils sehr gut und wohltätig und unterscheiden sich von den Bewohnern des Traun-Viertels durch eine eigene Tracht und Lebensweise.“ Der Historiker und Geograph Benedikt Pillwein lobt den „schönen Menschenschlag um Buchkirchen, Wallern, Dachsberg, St. Thomas und Pöting bis Rab.“

Von der Entstehung der Gemeinde (1850) bis in die Anfänge der 2. Republik

Den entscheidenden Wendepunkt, der im Sommer 1850 zur Entstehung der politischen Gemeinde Buchkirchen führte, bildete das als provisorisches Gemeindegesetz bezeichnete Landesgesetz vom 17. März 1849 und eine Verordnung des Ministers des Inneren Alexander Freiherr von Bach vom 7. März 1850.

Die Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeit und die Grundentlastung im Gefolge der Revolution des Jahres 1848 ließen endgültig die Notwendigkeit neuer Verwaltungseinheiten erkennen und ermöglichten schließlich die feste Bildung der Bezirkshauptmannschaften und der Bezirksgerichte, die die zahlreichen herrschaftlichen Gerichte ablösten. 1849 wurden die bestehenden Katastralgemeinden (Radlach, Hundsham, Buchkirchen, Mistelbach und Oberperwend) zu einer Ortsgemeinde zusammengefaßt und zu diesem Zeitpunkt schlug die Geburtsstunde der heutigen Gemeinde Buchkirchen. Als erster Bürgermeister wurde Josef Lettner eingesetzt.

1886 konnte der Oberösterreichische Volkskredit seine Haushaltungsschule von Rannariedl nach Schloß Mistelbach verlegen, nachdem er Schloß und Herrschaft Mistelbach von Anna Reichsgräfin von Firmian gekauft hatte. Die Familie Firmian war seit 1771 hier ansässig und hatte mit Leopold Maximilian, Fürstbischof von Wien einen besonders prominenten Vertreter.

In den Jahren 1889/90 wurde die Pfarrkirche zum Hl. Jacobus d. Ä. in Buchkirchen umfassend renoviert. 1893 schufen bedeutende Tiroler Künstler den heutigen Hochaltar als ein zeitlos qualitätvolles Werk.
Von 1901 bis Oktober 1902 wurde unter Mitwirkung von größtenteils ortsansässigen Betrieben ein neues Gemeindehaus erbaut, wodurch die zunächst im Merkermairgut provisorisch untergebrachte Kanzlei endlich auch eine ihr entsprechende Unterbringung fand. 1905 brannte das große dampfbetriebene Sägewerk an der Saherbruck ab, wobei durch den großen Einsatz der Bevölkerung ein Brand des Holzlagers und damit eine große Katastrophe für das Dorf verhindert werden konnte. Der alte Name für den Bach, an dem das Sägewerk stand, war Saherbach, was soviel wie „Ried- oder Schilfgrasbach“ bedeutet.
Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) waren 94 Gefallene zu verzeichnen. Am 20. Februar 1917 wurden zwei von vier Glocken der Pfarrkirche, die damals bereits mehr als 200 bzw. beinahe 150 Jahre alt waren, sowie am folgenden Tag die zwei größeren Glocken der Filialkirche in Mistelbach herabgenommen und als Metallspende abtransportiert. Mit der Niederlage im 1. Weltkrieg kam auch das Ende der Monarchie: Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. In diesem Jahr zählte die Gemeinde 463 Häuser und 2578 Einwohner. 1919 erhielt die Gemeinde das elektrische Licht. Vom Inflationsjahr 1920 berichtet der Schulchronist von der fortschreitenden Inflation und vermerkt, daß von 1914 bis 1920 der Preis eines Herrenanzuges auf das 140fache, der von Kartoffeln auf das 90fache und der von Brennholz auf das 50fache gestiegen sei. Die Geldknappheit war so groß, daß der Gemeindeausschuß am 22. April dieses Jahres den Beschluß faßte, Notgeldscheine drucken zu lassen.

 Am 4. Mai 1925 wurde die erste Postautoverkehrslinie von Wels nach Aschach über Buchkirchen und Eferding eröffnet. Am 12. Februar 1934 brach in Österreich ein Bürgerkrieg aus. Nach Änderung der Verfassung durch Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß wurde am 27. März 1934 auch in Buchkirchen die Vaterländische Front begründet.

Um einer vom österreichischen Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg für den 13. März 1938 angekündigten Volksabstimmung zuvorzukommen, marschierten am 11. März 1938 Truppen aus dem nationalsozialistischen Deutschland in Österreich ein. Noch um ½ 12 Uhr nachts desselben Tages besetzten Trupps der SA den Gendarmerieposten Buchkirchen und hißten am Fenster eine Hakenkreuzfahne. 2 Tage später wurden deutsche Truppenteile in Buchkirchen einquartiert. Mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Auch Männer aus Buchkirchen mußten an diesem Feldzug gegen Polen teilnehmen. Anfang Dezember 1939 kamen erstmals Zwangsarbeiter aus dem eroberten Polen nach Buchkirchen. Am 13. Dezember 1939 wurden die ersten Kleiderkarten ausgegeben. Im Juli 1940 trafen die ersten französische Kriegsgefangenen ein. Im April und Juni 1943 wurden Mütter und Kinder aus Düsseldorf, die wegen des Bombenkriegs evakuiert worden waren, in der Gemeinde untergebracht. Am 6. November 1944 mußten 170 volksdeutsche Flüchtlinge in Buchkirchen untergebracht werden. Der diesbezügliche Auftrag durch die übergeordnete Behörde erreichte die Gemeinde erst 2 Stunden vor dem Eintreffen des Flüchtlingskonvois.
Am 25. März 1945 wurden durch amerikanische Flugzeuge auf die Ortschaften Haberfelden, Hartberg, Mistelbach, Niedergrafing, Niederlaab, Obergrafing, Oberperwend, Oberprisching, Ötzing, Radlach und Schickenhäuser ca. 2000 Splitterbomben abgeworfen. 11 Tote und zahlreiche Verwundete waren zu beklagen. Am gleichen Tag wurden alle noch verfügbaren Männer bis zurück zum Geburtsjahrgang 1888 zur Musterung des Volkssturms in die Gemeindekanzlei von Buchkirchen berufen.
Am Ende des 2. Weltkrieges hatte die Gemeinde Buchkirchen 120 Gefallene und 80 Vermißte zu beklagen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden 18 Bauernhäuser geplündert. Die Bewirtschaftung mit Lebensmittelkarten endete am 1. Juli 1953 knapp vierzehn Jahre nach ihrer Einführung bei Ausbruch des 2. Weltkrieges. Am 26. Juli 1953 kam Landeshauptmann-Stellvertreter Felix Kern nach Buchkirchen, um 12 Landwirten, deren Familien ihre Höfe seit 200 Jahren in ununterbrochener Folge bewirtschaftet hatten, den Ehrennamen Erbhofbauern zu verleihen. Heute dürfen sich in Buchkirchen 13 Landwirte Erbhofbauern nennen.

Von den Anfängen des Wirtschaftswunders bis zur Erhebung zur Marktgemeinde

Buchkirchen ist in seinem Ursprung eine landwirtschaftliche Gemeinde. Seit der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes nach der Überwindung der Folgen des Zweiten Weltkrieges hat in Buchkirchen die Siedlungstätigkeit stark zugenommen. Dem Struktur- und Bevölkerungswandel, der insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren seinen Anfang genommen hat, wurde mit einem zügigen Ausbau der Infrastruktur Rechnung getragen: Bau von Schulen (Volksschule 1960, Hauptschule 1976), Errichtung von Kindergärten (Pfarr-Caritaskindergarten 1971, Gemeindekindergarten 1978), Musikheimbau (1985) und Musikschulerrichtung (1990), Neubau des Amtshauses (1968), Aufbau eines Kanalnetzes seit den 1970er Jahren, Neubau und Staubfreimachung von Straßen (seit 1973), Errichtung der Feuerwehrhäuser (Mistelbach 1984 und Buchkirchen 1988) sowie der Bau neuer Sportanlagen (1989). Nach der Neuanlage eines Gemeindefriedhofes (1995) bildeten Planung und Errichtung eines neuen Veranstaltungszentrums (1997) in den letzten Jahren einen Höhepunkt in der langen und dichten Folge der kommunalen Bautätigkeit. Damit wurde für die Pflege und den Ausbau gemeinsamer kultureller Aktivitäten, wie die Abhaltung von Konzerten, Ausstellungen, , Bällen und Festen ein würdiger Rahmen geschaffen.
Inzwischen stehen neue große Projekte heran und sind auch schon in Arbeit: Es sind dies seitens der Gemeinde die Renovierung von Volks- und Hauptschule und der Bau einer öffentlichen Wasserleitung, damit für die wachsende Gemeinde die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser auch in Zukunft gesichert ist. Die katholische Pfarre hat sich die Revitalisierung und Umgestaltung des historischen Pfarrhofes zu einem kirchlichen Bildungszentrum zum Ziel gesetzt, wobei die Bauarbeiten bereits in ihr Endstadium gehen.
Die weitere Ortsbildentwicklung soll in Richtung einer Förderung der Verdichtung und Vergrößerung des Ortskernes gehen und in eine bewußt herbeigeführte Gestaltung und weitere Planung des Ortsbildes münden.